Wirkung

Durch die Arbeit an Lautbildung, Stimme und Atem werden physiologische und seelische Gestaltprozesse angeregt, die zu einer Steigerung des Selbstgefühls und des Körpererlebens in Sprache, Haltung und Bewegung führen. Die gezielte Anwendung sprachtherapeutischer Uebungen stärkt das Selbst von der körperlichen Abwehrfähigkeit (Immunsystem) bis zur bewussten, individuellen Lebensführung.

Dass Sprachrhythmen wirken, hängt damit zusammen, dass sie mit den physiologischen Verhältnissen des Körpers zusammenhängen. So wird durch Sprechen des Hexameters mit seinem Verhältnis 1:4 von Atem und Puls das Verhältnis beider harmonisiert.

Durch die Rede wird Ausatmung verursacht, die eine tiefere Einatmung auslöst. Diese gibt Kraft organisch wirksame Laute und Rhythmen. Patienten schildern, dass sie eine tiefere Einatmung als erfrischend und belebend erfahren.

Durch die Wahl der Perspektive (äußere oder erinnerte Eindrücke beziehungsweise Jubel oder Schmerz des Inneren) werden neurasthenische und hysterische Konstitutionsabweichungen im Verständnis der Anthroposophischen Medizin angesprochen.

Durch Gesten lernt der Patient, seine oft verdeckte innere Sprache zu erschließen. Das regt die Fantasie an, befreit den Atem und hilft, sich von festgefahrenen Rollen zu befreien.

Darüber hinaus wirken Laute, Rhythmen, Bilder der Sprache über die Atmung und die Wärme heilend auf den ganzen Menschen zurück. Dichtung eröffnet vergessene und neue Bereiche unseres Menschseins. Im Umgang mit Lauten, Rhythmen, Sprachspielen und Sprachübungen und Gedichten, mit Körperhaltung, Bewegung und Geste kann ein neu gekräftigter und belebter Umgang mit sich selbst und der Welt erübt werden.
Die rhythmische Gliederung wirkt regulierend auf die Atmung und damit auf die Lebensfunktionen innerer Organe. Das physiologische Verhältnis zwischen Puls und Atem (Atem-/Pulsquotient) wird gefördert. Der Sprechende wird wach, geistesgegenwärtig und dadurch in die Lage versetzt, quälenden Gedanken oder Gefühlen etwas entgegenzusetzen, sie einzugrenzen oder umzuwandeln.

An der bewussten und schöpferischen Umgehensweise mit der eigenen Sprache steigern sich Fantasie, Erlebnis- und Ausdrucksfähigkeit, Wahrnehmungsfähigkeit und besonders das Hören. Die bewusste Auseinandersetzung des Menschen mit sich und seiner Krankheit (Coping) wird gefördert. Neue Erfahrungen führen zu Fähigkeitsbildung durch Übung.

Im Verlauf der Therapie werden Gestaltungsprozesse angeregt und eingeübt, die denen des gesunden Organismus entsprechen, bzw. solche, die in der Lage sind, den Krankheitsursachen entgegenzuwirken und zum Ausgleich zu führen.