Ansatz

Die Therapeutische Sprachgestaltung zielt auf die größtmögliche Autonomie des Patienten. Sie setzt mit der Sprache bei einer der individuellsten Ausdrucksmöglichkeiten des Menschen an und erschließt über das Sprechen Selbstwahrnehmung und Gestaltungskraft. Es geht darum, dass der Patient Laute, Silben und Worte sowie den in ihnen liegenden Sinn in Wort und Geste erlebt.
Insofern alle Krankheiten Vereinseitigungen von Lebensprozessen darstellen, werden diese verhärtenden oder auflösenden Tendenzen auch in der Sprache wahrnehmbar. Charakteristisch ist eine falsche, schwache oder übermäßige Artikulation, Stimmstörungen und falsche Atmung. Um diese Fehlstellungen zu harmonisieren, sind das Sprechen von Rhythmen, Bewegung und Gebärden ein Ansatzpunkt. Das geschieht über die Gestaltung der Artikulationsorte durch Training der Sprachwerkzeuge, etwa die Stellung von Lippen sowie die Bildung des Raumes mit Zähnen, Zunge und Gaumen. Dabei dienen dichterische Texte dem „natürlichen“ Trainieren der Sprechwerkzeuge. Sie gehen mit einer seelischen Arbeit parallel.

Laute
Vokale fördern die musikalischen Kräfte und lösen Verhärtungen.
Konsonanten fördern die plastischen Qualitäten führen Auflösungen in eine Formbildung. So erlauben beispielsweise Konsonanten, eine verwaschene unregelmäßige Sprache klarer zu formen und zu gliedern oder eine verfestigte überartikulierte Sprache zu lösen und in Fluss zu bringen.

Rhythmen
In Verbindung mit Versmaßen und Rhythmen (ansteigend/fallend, beschleunigt/verlangsamt)

Atmung
Die durch die Rede geforderte Ausatmung erzeugt tiefere Einatmung. Erst ein seelisch impulsiertes Einatmen gibt Kraft für organisch wirksame Laute und Rhythmen. Solche Einatmung entsteht aus Bild und Erlebnis und wird als erfrischend und belebend erfahren, statt unvermeidlich und beengend.
Artikulations- Atem-, Geläufigkeits- und Stimmstellübungen, unter Einbezug von Körperbewegungsgebärden und Rhythmen.

Das Verhältnis zur Welt kann bestimmt dabei die Auswahl der Texte: Bei neurasthenischer Konstitution hilft die Rezitation, also das Sprechen von äußeren oder erinnerten Eindrücken. Bei hysterischer Konstitution hilft Deklamation, also das Sprechen des Zustandes des eigenen Inneren.

Gesten
Durch Gesten lernt der Patient eine «zweite», oft verkümmerte Sprache in sich entdecken. Sie regt die Phantasie an, befreit den Atem und hilft ihm, sich aus festgefahrenen Rollen zu befreien. Neue Gesprächs- und Auseinandersetzungsfähigkeiten entstehen.

Gymnastik

Dichtungen
Dichtungen enthalten die zu übende Formelemente. Sie werden aber auch nach inhaltlichen Motiven ausgesuht, um gegebenenfalls den Patienten zu bewegen. Eingesetzt wird Lyrik, Epik und Dramatik.
Bewusst im Atem gestaltete Sprache ist Poesie. Sie ist Partitur der inneren Bilder im Zusammenklang mit den Lauten der Sprache. Die Wirkung der inneren Bilder wird heute vielfach eingesetzt, vor allem in der Psychotherapie. In der therapeutischen Sprachgestaltung sind es die in geformter Sprache erscheinenden Bilder.